Linoleum – der Alleskönner im attraktiven Gewand
Umweltfreundlich und gesund fürs Wohnen - das sind die vorrangigen Attribute, mit denen sich moderne Linoleumböden empfehlen. Das gilt vor allem für Linoleum-Fertigparkett, das in den vergangenen 10 Jahren mehr und mehr Marktanteile gewonnen hat und in der Beliebtheitsskala als Naturboden weit oben liegt. Denn Linoleum ist ein Stück Natur, weil es fast ausschließlich aus natürlichen Materialien hergestellt wird. Und weil dieses Naturprodukt im Jahr 2010 seinen 150. Geburtstag feiert, ist dies ein Grund mehr, seine positiven Eigenschaften zu würdigen.
Architekten schwören auf Linoleum im Objektbereich und schätzen dabei vor allem die extreme Strapazierfestigkeit und Langlebigkeit. Das Material ist resistent gegen Zigaretten, trotzt größten Beanspruchungen und lässt sich gut reinigen und pflegen.
Linoleum ist meistens mit einer Oberflächenschicht (z.B. aus PVC) ausgestattet, die zusätzlichen Schutz verleiht. Wenn Naturwachs (z.B. Bienenwachs) als schützende Schicht aufgetragen ist, erhöht dies die Natürlichkeit des Bodens. Darüber hinaus ist das Material hygienisch, antibakteriell, antistatisch und keimtötend. Es ist druckfest, extrem strapazierfähig, rutschhemmend, langlebig und überzeugt in puncto Stuhlrollenbeanspruchung. Linoleum ist beständig gegen Chemikalien, Öle und Fett und außerdem lichtecht (Faktor 6, „Sehr gut“, siehe Infokasten), schwer entflammbar (nach DIN 4102, B1) und für Fußbodenheizungen geeignet (bei vollständiger Verklebung).
Moderne Click-Systeme sparen Zeit beim Verlegen
Enorme Vorteile beim Verlegen ergeben die modernen Paneele mit der zeitsparenden Click-Verbindung mit Nut und Feder. In der Regel entscheidet man sich heute für die schwimmende Verlegung mit einem intelligenten Unterbau – ein Vorteil, der sich spätestens beim Umzug herausstellt, wenn sich die Paneele problemlos herausnehmen und mitnehmen lassen. Praktisch ist außerdem, dass Linoleum verfugbar ist und sich zum Verlegen auf Treppen eignet.
Je dicker der Belag gewählt wird, umso größeren Belastungen kann er trotzen. Eine 2 mm starke Nutzschicht, die auf einer Holzfaserplatte mit Nut und Feder sitzt, ist dabei gehobener Standart. Als Untergrund eignen sich alle Flächen, die eben, rissfrei, fest und trocken sind und einen maximalen Feuchtigkeitsgrad von 1,8 Prozent aufweisen. Das Verkleben geschieht vollflächig mit Dispersionskleber. Der Wandabschluss erfolgt in der Regel durch PVC-Sockel oder optional durch ein Holzsockel mit Einlegestreifen des verlegten Linoleums.
Nach dem Verlegen ist eine Grundreinigung mit einem speziellen Reiniger, der mit Wischwasser zersetzt wird, erforderlich. Danach sollte der Belag nebelfeucht beim Wischen oder nur mit dem Staubsauger, Besen oder Mopp gereinigt werden.
Der Klassiker im neuen Gewand
Linoleum wurde 1860 von F. Walton erfunden und hat sich aufgrund seiner Zuverlässigkeit und Strapazierfähigkeit in kurzer Zeit zum etablierten Produkt entwickelt.
|
|
Sein Name entspringt der lateinischen Herkunft „oleum Lini“ und bezieht sich auf den Hauptbestandteil und wichtigsten Rohstoff „Leinöl“. Welche Qualitäten das Material aufwies, zeigt sich an einer Untersuchung eines 1918 verlegten Bodens in Berlin-Charlottenburg, der nach 50 Jahren mit ständiger Beanspruchung nur 0,4 mm von seiner ursprünglichen Stärke von 4 mm eingebüßt hatte. Auch die britische Marine erkannte frühzeitig die Verschleißfestigkeit dieser Belagsart und stattete ihre Kriegsschiffe damit aus. In Deutschland behielt Linoleum seine marktbeherrschende Rolle bis in die 60er Jahre bis es vom Markt verschwand. Dass sich viele Bauherren und Architekten seit einigen Jahren wieder für Linoleum interessieren, liegt an der gestiegenen Nachfrage nach natürlichen Baustoffen und Wohnmaterialien und den ausgezeichneten Materialeigenschaften, die diese Bodenbeläge wettbewerbsfähig machen.
Durch und durch ein Naturprodukt
Zur Herstellung von Linoleum benötigt man Leinöl, Naturharze, Korkmehl (z.B. aus der Rinde der Korkeiche oder Korkabfälle), Holzmehl, Kalksteinmehl, Pigmente zur Färbung des sonst dunkelbraunen Materials und die Pflanzenfaser Jute als Trägermaterial. Die Produktion entspricht in Teilen den ursprünglichen Rezepten, wobei das Leinöl durch Zugabe von Sauerstoff zu Linoxyn oxidiert. Sobald durch die Erwärmung die gewünschte Viskosität erreicht ist, wird es mit den zuvor eingeschmolzenen Harzen gemischt und bis zur weiteren Verarbeitung gekühlt und gelagert.
Das Zwischenprodukt „Linoleumzement“ wird mit dem Kork- und Holzmehl verknetet und warm auf das Jutegewebe gepresst. Nach dem Abkühlen werden die Bahnen in Trockenkammern aufgehängt, bis die erforderliche Festigkeit nach zwei bis vier Wochen erreicht ist. Abschließend erhalten die Bahnen einen transparenten Überzug aus Polyacrylat oder PVC.
Die Zusammensetzung von Linoleum und seine technischen Eigenschaften sowie deren Prüfung sind heute in EN-Normen festgelegt. Nach ihnen wird Linoleum nach Art des Bindemittels definiert. Das Linoleum muss aus Leinöl und/oder anderen trocknenden Pflanzenölen und Harzen bestehen und der Mindestgehalt soll 30% betragen. Weitere Einzelheiten sind in den Normen EN 548 Linoleum, EN 686 Linoleum auf Kork und EN 688 Korklinoleum beschrieben.
Alleskönner Linoleum - Technische Besonderheiten
Die Gesamtdicke von Linoleumböden liegt normalerweise zwischen 2 und 4 mm, bei Korklinoleum umfasst die Dicke max. 6 mm. Das Flächengewicht liegt zwischen 2 - 5 kg/m² und ist damit relativ leicht. Dabei ist es überraschend, dass Linoleum einen extrem niedrigen Verschleißverlust aufweist: Der Dickenverlust, geprüft nach EN 660, beträgt 0,2 - 0,4 mm. Das Eindruckverhalten (Resteindruck; geprüft nach EN 433) liegt - je nach Belagsart zwischen 0,1 - 0,4 mm; der Wärmedurchlasswiderstand für den Belag ohne Träger beträgt 0,01 – 0,03 m² K/W (Verbundbeläge: etwa 0,04 m² K/W); das Trittschallverbesserungsmaß für den Belag ohne Träger liegt zwischen 3 und 6 dB und bei Verbundbelägen in Höhe von 14-18 dB und schließlich der elektrische Widerstand nach EN 1081 liegt bei etwa 10 Ohm.
Linoleumböden eignen sich damit als Bodenbelag in stark belasteten Bereichen in Schulen, Läden, Krankenhäusern und Werkstätten. Und weil das Linoleum in vielen erfrischenden und attraktiven Farben angeboten wird, empfiehlt es sich außerdem als Bodenbelag für alle Wohn- und Arbeitsbereiche.
|